Was Du nicht sagst

2016
Galerie Michael Sturm, Stuttgart
Vanessa Henn
WAS DU NICHT SAGST
 
In ihrer aktuellen Schau „Was du nicht sagst“ zielt Vanessa Henn (*1970, Stuttgart) auf den ambivalenten Deutungshorizont dieses Ausrufs ab. Drückt der Satz zum einen Erstaunen und Verwunderung gegenüber einer Bemerkung eines Gegenübers aus, macht er zum anderen auf das aufmerksam, was tatsächlich nicht gesagt und womöglich verschwiegen wird. Die in Berlin lebende Künstlerin benutzt in ihren Arbeiten ein Vokabular, das ohne Buchstaben auskommt und uns doch etwas zeigt, vor Augen führt.  
 
Aus gefundenen Materialien kreiert Vanessa Henn Wand- und Bodenobjekte, bei denen sie zwei unterschiedliche Strategien verfolgt. Während sie in manchen Arbeiten dem Material freien Lauf lässt, übernimmt sie in anderen selbst die Kontrolle: sie skizziert und zeichnet vor, bestimmt wo es hin gehen soll. Statisch wirken selbst diese stärker geometrischen Arbeiten nicht, denn das Ausgangsmaterial, Fundstücke antiker Handläufe, stellt seine Herkunft und somit ein dynamisches Moment stets zur Schau. Durch die künstlerische Aneignung Henns wird jedoch nicht mehr die Hand, sondern unser Blick geleitet. Ihre Arbeiten sind gleichzeitig linear und dynamisch und laden die Betrachtenden ein, sich diesen künstlerischen Kosmos im tastenden Sehen zu erschließen.
 
Sven Braun
BRIEF
 
Der in Leipzig lebende Maler Sven Braun (*1968, Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz) macht mit dem vielsagenden Titel seiner Ausstellung „Brief“ eine Reihe von Assoziationen auf. Für Braun steht das geschriebene Wort nicht in Konkurrenz zum gemalten Bild im Sinne eines Paragone (Wettstreits der Künste). Vielmehr reflektiert er sowohl das Malen, als auch das Schreiben, als Ergebnisse der menschlichen Natur. Beide Künste verdanken ihre Erzeugnisse einem Schöpfer, der forscht, schreibt oder im Falle Sven Brauns malt.  
 
Mit einer Reihe neuer Trompe l'œils stellt Braun sein malerisches Können abermals unter Beweis und fordert den Blick der Betrachtenden heraus. Hyperrealismus trifft auf figurative Stillleben, die sich über großformatige Leinwände erstrecken, bis es wieder ins Abstrakte kippt.  Es geht folglich nicht darum uns mit Worten von diesem oder jenem zu überzeugen. Sven Braun setzt auf die vorsprachliche Dimension und Kraft des gemalten Bildes, dem wir uns im Sehen nähern und das wir auf uns wirken lassen. Ein gemalter Brief sagt mehr als tausend Worte, scheint er uns als Maler sagen zu wollen.
 


Galerie Michael Sturm