Der Entwurf Pavillon versteht sich als begehbare Skulptur im Grenzbereich zwischen Architektur, Kunstobjekt und Spielraum. Die freistehende Struktur bewegt sich bewusst zwischen Funktion und Funktionslosigkeit und entfaltet ihre Wirkung als räumliche Intervention im Außenraum der Grundschule. Drei fragmentarische Wandelemente aus Beton sind kreisförmig angeordnet und bilden gemeinsam mit dem ringförmigen Dach eine offene architektonische Figur. Die Anlage erinnert an eine moderne Ruine. Wandfragmente, Öffnungen und Versätze verweisen auf Prozesshaftigkeit und erzeugen einen spannungs-vollen Dialog zwischen Innen und Außen, zwischen Schutzraum und Offenheit.
Im Zentrum des Entwurfs steht die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Linie und Fläche. Die großzügigen Betonflächen entwickeln eine ruhige, monolithische Präsenz. Ihre Schalungsstruktur und Materialität bleiben sichtbar und werden durch Licht und Schatten akzentuiert. Dem gegenüber stehen die gelb lackierten Geländer als lineare, zeichnerische Setzungen im Raum. Sie folgen keiner eindeutigen funktionalen Logik, sondern wirken wie freie Linien einer räumlichen Skizze. Die Geländer umspielen die Betonflächen, markieren Richtungen und Übergänge und setzen einen lebendigen Kontrapunkt zur Schwere und geometrischen Klarheit des Betons.
Der Entwurf bezieht sich auf die Tradition der garden follies des 18. Jahrhunderts – künstliche Ruinen und dekorative Staffagebauten, die als poetische Blickpunkte in Landschaftsgärten dienten. Dieses historische Motiv wird hier zeitgenössisch interpretiert und in den Kontext einer Schule übertragen. Die Architektur erscheint wie ein Fragment eines größeren Ganzen, ein rätselhaftes Objekt zwischen Kunstwerk und Miniaturarchitektur. Die funktionslosen Geländer verstärken diesen Eindruck zusätzlich und werden zu eigenständigen künstlerischen Setzungen im Raum.
Für Kinder eröffnet der Pavillon vielfältige Möglichkeiten der Aneignung. Zwischenräume, Durchblicke und Richtungswechsel laden dazu ein, den Ort und die bewegten Linien spielerisch zu erkunden. Die farbigen Geländer können mit der Hand verfolgt, umrundet oder imaginär weitergedacht werden. So entsteht ein Raum, der weniger durch konkrete Funktionen bestimmt wird als durch Erfahrung, Berührung und Vorstellungskraft. Der Pavillon verweigert sich einer eindeutigen Lesbarkeit als Nutzobjekt und wird statt dessen zu einem Ort zwischen Skulptur und Architektur, Wahrnehmung und Imagination.